12.11.2015
dbbsh bef├╝rchtet extreme Schieflage im Schulsystem
Die Situation in Schulen verschärft sich: Neben den bereits bekannten Belastungen werden sich zusätzlich Mehrarbeit und neue Belastungen durch den Flüchtlingszustrom ergeben.

„Länger gemeinsam lernen und inklusiver Unterricht erfordern bereits jetzt entsprechende Personalstärken bei den Lehrkräften. Da sind allerdings die zusätzlichen Anforderungen, die sich aus der aktuellen Lage ergeben, noch gar nicht berücksichtigt. Und Schleswig-Holstein bildet in der Lehrerausstattung nach wie vor ein Schlusslicht! So standen im Schuljahr 2014/2015 in unserem Land einem Lehrer 13,2 Schüler gegenüber*. Ein negativer Spitzenwert im gesamtdeutschen Vergleich“, sagte die dbb-Landesbundvorsitzende am 12.11.2015 in Kiel.

Bei der Planung des Schulunterrichts für schulpflichtige Flüchtlingskinder sind die Ansätze nach Ansicht des dbb schleswig-holstein wohl auch zu zögerlich: „Niemand kann den tatsächlichen Lehrerbedarf abschätzen, es fehlen einfach Erfahrungswerte. Zwar sollen zum 1. Februar 2016 weitere 280 Lehrerstellen geschaffen werden. Aber allein bei Betrachtung der 12 großen Flüchtlingseinrichtungen im Land wäre diese Anzahl - würde man die neuen Lehrkräfte entsprechend verteilen - ein Tropfen auf den heißen Stein: Einerseits herrscht in den Einrichtungen eine starke Fluktuation. Andererseits ist für einen  Schulunterricht nach unseren Vorstellungen gar keine Raumkapazität in diesen Strukturen. Aufgrund der verschiedenen  Nationalitäten mit unterschiedlichen Sprachen gestaltet sich ein gemeinsamer Klassenunterricht schwierig. Nicht vergessen werden darf der ebenso wichtige `Integrationsunterricht´ für die Erwachsenen – in diesem Bereich geht es aktuell nur noch ehrenamtlich. Neue Stellen allein aber reichen nicht – das Land hat nun die Aufgabe, diese auch tatsächlich personell zu besetzen. Hier hegen wir Zweifel, dass das zeitnah gelingen kann. Deshalb erwarten wir kreative und schnelle Lösungen für den Übergang. Zum Beispiel  durch zeitlich befristete Einstellungen von im Ruhestand befindlichen Lehrkräften zu vernünftigen Bedingungen“, fordert die dbb-Chefin.

Alles in allem braucht das Land nach Ansicht Schwitzers noch viel mehr Lehrerinnen und Lehrer: „Es muss ganz stark nachgebessert werden, wenn eine ausreichende Unterrichtsversorgung in dieser Situation gewährleistet werden soll. Ansonsten werden wir einer extremen Schieflage im gesamten Schulsystem gegenüberstehen! Das deutsche Schulsystem darf jetzt keine weiteren Nachteile erleiden, sondern muss zukunftsfest gestärkt werden“, so Anke Schwitzer abschließend.

 

* Quelle: Staistisches Bundesamt, Fachserie 11 Bildung und Kultur, Reihe 1 Allgemeinbildende Schulen, enthält Ergebnisse des Schuljahres 2014/2015

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